Ein praxisorientierter Leitfaden für Hersteller
Veröffentlicht am 21. Juli 2026

Kert Klementi
CEO & Founder | Business Visualization Strategist

Einleitung
Die Auswahl eines Produktkonfigurators war noch nie so einfach – und gleichzeitig so anspruchsvoll. Hersteller, die ihre Produktkommunikation digital weiterentwickeln möchten, stehen heute vor einer Vielzahl unterschiedlicher Lösungen. Produktvisualisierer, 3D-Konfiguratoren, Raumplaner, Angebotswerkzeuge, browserbasierte Anwendungen oder vollständig integrierte Unternehmensplattformen werden häufig als konkurrierende Technologien präsentiert. Tatsächlich erfüllen sie jedoch unterschiedliche Aufgaben und eignen sich für verschiedene Produkte, Zielgruppen und Customer Journeys.
Gleichzeitig werden Produkte selbst immer individueller konfigurierbar. Hersteller bieten heute eine wachsende Vielfalt an Abmessungen, Materialien, Oberflächen, Komponenten und Ausstattungsoptionen an, damit Kunden Lösungen exakt an ihre Anforderungen anpassen können. Diese größere Flexibilität schafft klare Wettbewerbsvorteile, erhöht jedoch zugleich die Komplexität der Produktkommunikation. Kunden sollen Kombinationen verstehen und bewerten, die häufig noch nie physisch existiert haben, und treffen ihre ersten Entscheidungen dabei oftmals ausschließlich auf Grundlage digitaler Informationen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb heute nicht mehr, ob Hersteller ihre digitale Produktkommunikation verbessern sollten, sondern wie sie dies am sinnvollsten umsetzen.
Viele Unternehmen beginnen ihre Überlegungen mit dem Vergleich verschiedener Softwarelösungen oder technischer Funktionen. Sie fragen sich, ob sie Echtzeit-3D benötigen, Augmented Reality einsetzen sollten, eine ERP-Anbindung erforderlich ist oder Künstliche Intelligenz Produktempfehlungen übernehmen kann. All das sind wichtige Aspekte – sie stehen jedoch selten am Anfang eines erfolgreichen Projekts.
Die erfolgreichsten Konfiguratorlösungen beginnen mit einer wesentlich einfacheren Frage:
Welches geschäftliche Problem möchten wir lösen?
Wenn Sie sich erstmals mit Produktkonfiguratoren beschäftigen oder zunächst verstehen möchten, wie interaktive Produktkommunikation funktioniert, empfehlen wir Ihnen unseren Leitfaden „Produktkonfiguratoren“. Dort erfahren Sie, welche Prinzipien modernen Konfiguratorlösungen zugrunde liegen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse ihre Wirksamkeit belegen und wie Hersteller interaktive Anwendungen nutzen, um komplexe Produkte verständlicher zu vermitteln.
Dieser Beitrag knüpft an diese Grundlagen an und beschäftigt sich mit der nächsten entscheidenden Frage:
Wie wählen Sie den richtigen Produktkonfigurator für Ihr Unternehmen aus?
Anstatt Softwareanbieter oder technische Funktionen miteinander zu vergleichen, verfolgt dieser Leitfaden einen praxisorientierten, unternehmerischen Ansatz. Ziel ist es, Herstellern dabei zu helfen, die Konfiguratorlösung zu identifizieren, die ihre Produkte, Zielgruppen und langfristigen Unternehmensziele am besten unterstützt.
Das Kaufverhalten verändert sich
Die wachsende Bedeutung von Produktkonfiguratoren ist nicht allein auf technologische Entwicklungen zurückzuführen. Sie spiegelt vielmehr einen grundlegenden Wandel darin wider, wie Kunden heute Produkte recherchieren und Kaufentscheidungen treffen.
Sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich informieren sich Käufer zunehmend eigenständig, bevor sie erstmals mit einem Vertriebsmitarbeiter in Kontakt treten. Unternehmenswebsites, digitale Produktinformationen und interaktive Anwendungen entwickeln sich dabei zu den wichtigsten Informationsquellen – insbesondere in den frühen Phasen der Customer Journey.
Untersuchungen von Gartner zum Kaufverhalten im B2B-Bereich bestätigen diese Entwicklung. Käufer bevorzugen zunehmend digitale Self-Service-Angebote, wenn sie Produkte recherchieren oder potenzielle Anbieter vergleichen. Gleichzeitig erwarten sie weiterhin persönliche Beratung, sobald es um die konkrete Produktauswahl oder die Kaufentscheidung geht (LaFond & Nguyen, 2024). Für Hersteller bedeutet dies, dass Produktinformationen heute weit mehr leisten müssen, als Eigenschaften lediglich zu beschreiben. Sie sollten Kunden dabei unterstützen, auch komplexe Lösungen bereits vor dem ersten Gespräch mit dem Vertrieb zu verstehen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich im E-Commerce. Die aktuelle Product Finding-Studie des Baymard Institute, die auf mehr als 5.500 Stunden Usability-Tests und 219 umfangreichen Untersuchungen basiert, zeigt, dass Kunden zunehmend Schwierigkeiten haben, Produkte miteinander zu vergleichen und passende Varianten auszuwählen, je umfangreicher und komplexer das Online-Angebot wird (Scott, 2024). Obwohl sich die Studie auf den Onlinehandel konzentriert, lassen sich ihre Erkenntnisse unmittelbar auf Hersteller konfigurierbarer Produkte übertragen. Sind Varianten schwer vergleichbar oder nur unzureichend verständlich dargestellt, steigt die Unsicherheit der Kunden und der Bedarf an zusätzlicher Beratung nimmt zu.
Damit verändert sich auch die Rolle der Unternehmenswebsite. Sie dient nicht länger ausschließlich als digitaler Produktkatalog, sondern entwickelt sich zunehmend zum ersten Schritt im Vertriebsprozess. Hier gewinnen Kunden ihr erstes Verständnis für konfigurierbare Produkte und beginnen, verschiedene Lösungen miteinander zu vergleichen.
Die Komplexität von Produkten nimmt weiter zu
Während sich das Kaufverhalten verändert, werden auch Produkte selbst immer komplexer. Hersteller unterscheiden sich heute nur noch selten durch ein einzelnes Standardprodukt. Stattdessen schaffen sie Wettbewerbsvorteile durch konfigurierbare Produktfamilien, modulare Systeme, unterschiedliche Materialien, optionale Ausstattungen und individuelle Anpassungsmöglichkeiten. Diese Entwicklung eröffnet Kunden deutlich mehr Flexibilität und ermöglicht es Unternehmen, unterschiedlichste Anforderungen und Anwendungsbereiche abzudecken.
Mehr Auswahl führt jedoch nicht automatisch zu einem besseren Kauferlebnis. Aktuelle Forschung zur Komplexität von Produktvarianten zeigt, dass sich diese nicht allein aus der Anzahl der verfügbaren Optionen ergibt. Wesentlich entscheidender sind die Beziehungen zwischen den einzelnen Auswahlmöglichkeiten. Kompatibilitätsregeln, technische Abhängigkeiten oder produktspezifische Einschränkungen beeinflussen den Konfigurationsprozess häufig stärker als die sichtbare Anzahl der Varianten selbst (Modrak & Soltysova, 2023).
In der Praxis macht das einen entscheidenden Unterschied. Ein Esstisch kann beispielsweise in Hunderten von Material- und Farbkombinationen erhältlich sein. Dennoch bleibt die Konfiguration vergleichsweise einfach, weil die meisten Entscheidungen unabhängig voneinander getroffen werden können.
Ein industrielles Lüftungssystem oder ein modulares Gebäude bietet dagegen möglicherweise deutlich weniger sichtbare Auswahlmöglichkeiten. Dennoch kann bereits die Wahl einer einzelnen Komponente Auswirkungen auf Abmessungen, statische Anforderungen, kompatibles Zubehör oder produktionstechnische Spezifikationen haben. Obwohl der Kunde weniger Optionen auswählen muss, ist der eigentliche Konfigurationsprozess wesentlich anspruchsvoller.
Diese Unterschiede zu erkennen, gehört zu den wichtigsten Schritten bei der Auswahl eines Produktkonfigurators. Entscheidend ist nicht, wie viele Varianten ein Produkt besitzt, sondern wie diese miteinander zusammenhängen und wie viel Unterstützung Kunden während des Entscheidungsprozesses tatsächlich benötigen.
Mit der geschäftlichen Herausforderung beginnen – nicht mit der Technologie
Einer der häufigsten Fehler bei der Einführung eines Produktkonfigurators besteht darin, die Auswahl mit der Software zu beginnen.
Brauchen wir einen 3D-Konfigurator?
Benötigen wir eine ERP-Anbindung?
Sollten wir auf GLB setzen?
Kann Künstliche Intelligenz Produktempfehlungen übernehmen?
All das sind berechtigte Fragen. Sie entscheiden jedoch nur selten darüber, ob ein Projekt langfristig erfolgreich ist. Wesentlich zielführender ist es, zunächst die eigentliche geschäftliche Herausforderung zu identifizieren.
Vielleicht fällt es Kunden schwer, Materialien und Oberflächen online miteinander zu vergleichen. Möglicherweise beantwortet der Vertrieb immer wieder dieselben Produktfragen oder investiert viel Zeit in die Erstellung ähnlicher Angebote. In anderen Fällen benötigen Handelspartner ein besseres Werkzeug, um konfigurierbare Produkte zu präsentieren, ohne auf umfangreiche Kataloge oder physische Muster angewiesen zu sein.
Obwohl all diese Situationen mit Produktkonfiguration zusammenhängen, erfordern sie unterschiedliche Lösungsansätze.
Für manche Hersteller genügt bereits ein einfacher Produktvisualisierer, mit dem Kunden Materialien und Oberflächen vergleichen können. Andere benötigen eine geführte Konfiguration, eine automatische Angebotserstellung oder die Anbindung an bestehende Unternehmenssysteme. Wer zunächst die eigentliche Herausforderung definiert und erst anschließend über die passende Technologie entscheidet, gelangt häufig zu einer einfacheren, wirkungsvolleren und langfristig besser skalierbaren Lösung.
Wer wird den Konfigurator nutzen?
Bevor über Funktionen oder Systemintegrationen gesprochen wird, lohnt sich eine andere Frage: Für wen wird der Konfigurator eigentlich entwickelt? Überraschend häufig lautet die Antwort nicht einfach: „Für unsere Kunden.“
Ein gut konzipierter Konfigurator begleitet häufig verschiedene Nutzergruppen entlang der gesamten Customer Journey. Architekten nutzen ihn, um Produkte während der Planungs- und Spezifikationsphase zu bewerten. Händler erstellen damit Angebote, Vertriebsmitarbeiter besprechen Projektanforderungen gemeinsam mit ihren Kunden und Endkunden verschaffen sich einen ersten Überblick über die verfügbaren Möglichkeiten, bevor sie Kontakt aufnehmen.
Jede dieser Nutzergruppen verfolgt unterschiedliche Ziele und benötigt andere Informationen. Endkunden legen in erster Linie Wert auf eine einfache Bedienung, eine anschauliche Darstellung und die Sicherheit, dass die gewählte Lösung ihren Anforderungen entspricht. Architekten und Planer benötigen dagegen häufig technische Abmessungen, herunterladbare Spezifikationen sowie BIM- oder CAD-Daten. Für Händler stehen Preise, Konfigurationsübersichten oder die Angebotserstellung im Vordergrund, während interne Vertriebsteams vor allem von strukturierten Produktinformationen profitieren, die den Aufwand im Vertriebsprozess reduzieren.
Wer diese unterschiedlichen Anforderungen frühzeitig berücksichtigt, legt den Grundstein für eine erfolgreiche Lösung. Manche Hersteller entwickeln deshalb unterschiedliche Benutzeroberflächen für verschiedene Zielgruppen, greifen dabei jedoch auf dieselben Produktdaten und dieselbe Konfigurationslogik zurück. Andere entscheiden sich bewusst für eine möglichst einfache Anwendung und konzentrieren sich auf jene Nutzergruppe, die den größten geschäftlichen Mehrwert bietet.
Wie viel Interaktion benötigen Ihre Kunden tatsächlich?

Eine der häufigsten Annahmen ist, dass ein erfolgreicher Produktkonfigurator möglichst viele Funktionen bieten muss. In der Praxis ist jedoch oft das Gegenteil der Fall.
Die besten Konfiguratorlösungen sind nicht zwangsläufig die komplexesten. Sie bieten genau den Funktionsumfang, den Kunden benötigen, um Produkte sicher zu bewerten und fundierte Entscheidungen zu treffen – nicht mehr und nicht weniger. Bei manchen Produkten genügt es bereits, wenn Kunden Farben, Materialien oder Oberflächen miteinander vergleichen können. Ein Möbelhersteller, der verschiedene Stoffe visualisiert, oder ein Fensterhersteller, der unterschiedliche Rahmenfarben präsentiert, schafft häufig bereits einen erheblichen Mehrwert, ohne auf eine komplexe Konfigurationslogik angewiesen zu sein.
Andere Produkte erfordern deutlich mehr Unterstützung. Modulare Schranksysteme, Industrieanlagen oder konfigurierbare Bauprodukte beinhalten häufig Abhängigkeiten zwischen Komponenten, Abmessungen oder Zubehör. In solchen Fällen profitieren Kunden von einem Konfigurator, der sie Schritt für Schritt durch zulässige Kombinationen führt, anstatt sämtliche Optionen gleichzeitig anzuzeigen.
Welcher Grad an Interaktivität sinnvoll ist, hängt daher in erster Linie vom Produkt ab – nicht von der verfügbaren Technologie. Vor der Entscheidung für eine bestimmte Lösung sollten Hersteller unter anderem folgende Fragen beantworten:
- Müssen Kunden lediglich verschiedene Varianten visualisieren können?
- Soll der Konfigurator sie aktiv durch den Auswahlprozess führen?
- Gibt es Kombinationen, die ausgeschlossen werden müssen?
- Ist technisches Fachwissen erforderlich, um das Produkt korrekt zu konfigurieren?
- Soll die Konfiguration später als Grundlage für Angebote oder Bestellungen dienen?
Die Antworten auf diese Fragen bilden eine deutlich bessere Entscheidungsgrundlage als der Vergleich von Funktionslisten verschiedener Softwarelösungen.
Den passenden visuellen Ansatz wählen

Nicht jeder Produktkonfigurator muss gleich aussehen oder auf dieselbe Weise funktionieren. Je nach Produkt kommen unterschiedliche Ansätze infrage – von fotografiebasierten Lösungen über interaktive 3D-Konfiguratoren bis hin zu hybriden Konzepten. Welche Variante die richtige ist, hängt nicht nur vom Produkt selbst ab, sondern ebenso davon, wie Kunden ihre Entscheidung treffen, wie komplex die Konfiguration ausfällt und welche Informationen sie während des Auswahlprozesses benötigen.
Fotografiebasierte Lösungen sind für viele Produkte nach wie vor eine ausgezeichnete Wahl. Insbesondere dann, wenn Kunden hauptsächlich Farben, Materialien oder Oberflächen aus vordefinierten Perspektiven vergleichen möchten, können vorhandene Produktfotos häufig direkt weiterverwendet werden. Der Entwicklungsaufwand bleibt überschaubar und gleichzeitig wird eine sehr hohe Bildqualität erreicht. Für Produkte mit einer begrenzten Anzahl an Varianten bieten bildbasierte Konfiguratoren oftmals genau den Funktionsumfang, der benötigt wird.
Interaktive 3D-Lösungen spielen ihre Stärken vor allem dort aus, wo Kunden Produkte aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, räumliche Zusammenhänge verstehen oder modulare Systeme konfigurieren möchten. Anstatt Hunderte oder sogar Tausende einzelner Produktbilder zu verwalten, genügt häufig ein parametrisches 3D-Modell, das unmittelbar auf jede Auswahl reagiert. Gleichzeitig stellt die Konfigurationslogik sicher, dass ausschließlich technisch sinnvolle Kombinationen angezeigt werden. Neue Varianten lassen sich dadurch oft ergänzen, ohne umfangreiche Bildbibliotheken neu erstellen zu müssen.
Viele moderne browserbasierte Konfiguratoren nutzen Technologien wie WebGL und weboptimierte GLB-Modelle, um Produkte direkt im Browser in Echtzeit darzustellen. Dadurch entsteht ein flüssiges Nutzungserlebnis, ohne dass Kunden zusätzliche Software installieren müssen. Gleichzeitig lassen sich konfigurierbare Produkte problemlos in Websites, Händlerportale oder digitale Vertriebswerkzeuge integrieren.
In der Praxis kombinieren viele Hersteller beide Ansätze. Hochwertige Produktfotografie bleibt ein wichtiger Bestandteil von Marketingkampagnen, Katalogen und der Markenkommunikation, während interaktive 3D-Anwendungen die Produkterkundung, den Variantenvergleich und die Konfiguration unterstützen. Hybride Lösungen bieten häufig den besten Kompromiss zwischen visueller Qualität, Flexibilität und langfristiger Skalierbarkeit.
Wenn Sie mehr über die Technologie moderner browserbasierter Produktkonfiguratoren und den Einsatz von GLB-Modellen erfahren möchten, empfehlen wir unseren Leitfaden „GLB-Konfigurator für Hersteller“.
Letztlich geht es nur selten darum, eine Technologie durch eine andere zu ersetzen. Entscheidend ist vielmehr, den visuellen Ansatz zu wählen, der das Produkt, den Entscheidungsprozess der Kunden und die langfristige Produktkommunikation am wirkungsvollsten unterstützt.
Sollte Ihr Produktkonfigurator mit anderen Unternehmenssystemen verbunden werden?
Je umfangreicher ein Produktkonfigurator wird, desto häufiger stellt sich die Frage nach der Integration in bestehende Unternehmenssysteme. Die Anbindung an Systeme wie Product Information Management (PIM), Customer Relationship Management (CRM), Enterprise Resource Planning (ERP) oder Configure, Price, Quote (CPQ) kann interne Abläufe vereinfachen und wiederkehrende manuelle Arbeiten deutlich reduzieren. Einmal erfasste Konfigurationsdaten lassen sich anschließend in verschiedenen Unternehmensbereichen weiterverwenden – von der Angebotserstellung und technischen Dokumentation bis hin zur Produktionsplanung und Auftragsabwicklung.
Für viele Hersteller gehört die automatisierte Angebotserstellung zu den wichtigsten Gründen für die Einführung eines Produktkonfigurators. Anstatt Angebote manuell zu erstellen, nutzen CPQ-Systeme (Configure, Price, Quote) Produktregeln, Preislogiken und Konfigurationsdaten, um Angebote, Stücklisten (BOM), technische Spezifikationen und weitere vertriebsrelevante Dokumente automatisch zu erzeugen. In vielen Projekten arbeiten Produktkonfigurator und CPQ-System eng zusammen und ermöglichen einen nahtlosen Übergang von der Produktauswahl bis zum fertigen Angebot.
Eine Systemintegration ist jedoch keineswegs für jedes Projekt erforderlich. Untersuchungen, die integrierte und eigenständige Konfiguratorarchitekturen miteinander vergleichen, kommen zu dem Ergebnis, dass es keine allgemeingültige Lösung gibt. Der passende Integrationsgrad hängt vielmehr von den betrieblichen Anforderungen, den internen Prozessen und davon ab, wie die Konfigurationsdaten nach Abschluss der Produktauswahl weiterverwendet werden sollen (Zhang & Shafiee, 2022).
Für viele Unternehmen bietet bereits ein eigenständiger Produktkonfigurator, der die Produktkommunikation verbessert, einen erheblichen Mehrwert – ganz ohne komplexe Systemanbindungen. Andere profitieren davon, Konfiguration, Preisberechnung, Angebotserstellung, Produktionsprozesse oder Produktdatenmanagement miteinander zu verbinden, sobald ihre digitale Infrastruktur weiter wächst.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob eine Integration technisch möglich ist, sondern ob sie die Prozesse und Ziele des Unternehmens sinnvoll unterstützt.
Über den ersten Projektstart hinausdenken
Ein Produktkonfigurator sollte nicht als einmaliges Projekt betrachtet werden. Genau wie ein Produktportfolio entwickelt er sich kontinuierlich weiter. Viele erfolgreiche Unternehmen beginnen bewusst mit einem überschaubaren Umfang – beispielsweise einer einzelnen Produktfamilie, einem Materialvisualisierer oder einem interaktiven Produktvisualisierer – und erweitern die Lösung Schritt für Schritt. Neue Produkte, zusätzliche Konfigurationsmöglichkeiten, Funktionen für Handelspartner oder weitere Systemintegrationen lassen sich später ergänzen. Dadurch sinkt das Projektrisiko, während sich die Lösung gleichzeitig an den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens orientiert.
Dieser schrittweise Ausbau bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich. Unternehmen gewinnen wertvolle Erfahrungen im Umgang mit dem Konfigurator. Sie erkennen, wie Kunden die Anwendung nutzen, welche Funktionen den größten Mehrwert schaffen und an welchen Stellen zusätzliche Möglichkeiten das Nutzungserlebnis tatsächlich verbessern.
Das Ziel besteht nicht darin, vom ersten Tag an den technisch anspruchsvollsten Produktkonfigurator bereitzustellen. Entscheidend ist vielmehr, eine Lösung zu entwickeln, die gemeinsam mit dem Unternehmen wachsen kann.

Wie Nordic Render Hersteller bei der Auswahl unterstützt
Die Wahl des richtigen Produktkonfigurators beginnt nur selten mit der Auswahl einer bestimmten Software. Nach unserer Erfahrung entstehen die erfolgreichsten Projekte dann, wenn zunächst das Produkt, die späteren Nutzer und die eigentliche Aufgabenstellung verstanden werden.
Anstatt von Anfang an eine bestimmte Plattform oder Technologie zu empfehlen, unterstützen wir Hersteller dabei, den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln. Für manche Produkte genügt bereits ein Produktvisualisierer, mit dem Kunden Materialien, Farben oder Oberflächen vergleichen können. Andere profitieren von interaktiver 3D-Darstellung, einer geführten Konfiguration, regelbasierter Produktlogik oder einer Anbindung an CPQ-, ERP- oder andere Unternehmenssysteme.
Unser Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die komplexe Entscheidungen vereinfachen, anstatt zusätzliche Komplexität zu schaffen. Dazu analysieren wir, wie Produkte konfiguriert werden, wie Kunden verschiedene Varianten vergleichen, welche Informationen den Entscheidungsprozess tatsächlich unterstützen und an welchen Stellen sich interne Abläufe vereinfachen lassen. So entstehen Anwendungen, die Kunden Orientierung geben, ohne sie mit unnötigen Funktionen zu überfordern.
Ob fotorealistische 3D-Inhalte, browserbasierte Produktkonfiguratoren oder vollständig integrierte Lösungen – unser Anspruch bleibt derselbe: Herstellern dabei zu helfen, komplexe Produkte verständlicher zu kommunizieren, den Vertrieb zu unterstützen und digitale Lösungen zu entwickeln, die gemeinsam mit dem Unternehmen wachsen können.
Fazit
Die Auswahl eines Produktkonfigurators ist letztlich keine Technologieentscheidung, sondern eine unternehmerische Entscheidung.
Jedes Unternehmen steht vor einer anderen Kombination aus Produkten, Zielgruppen, Vertriebsprozessen und internen Abläufen. Deshalb gibt es keine universelle Lösung. Der passende Produktkonfigurator ist derjenige, der die eigentliche Herausforderung löst und sowohl den Entscheidungsprozess der Kunden als auch die Anforderungen des Unternehmens bestmöglich unterstützt.
Anstatt mit Softwarevergleichen oder langen Funktionslisten zu beginnen, sollten Hersteller zunächst drei grundlegende Fragen beantworten:
- Welches geschäftliche Problem möchten wir lösen?
- Wen soll der Produktkonfigurator unterstützen?
- Wie viel Unterstützung benötigen unsere Kunden tatsächlich?
Die Antworten auf diese Fragen bilden eine deutlich bessere Grundlage für die Auswahl einer passenden Lösung als jede technische Spezifikation. Wer diese Anforderungen zuerst versteht, kann fundierte Technologieentscheidungen treffen, die die Produktkommunikation verbessern, den Vertrieb unterstützen und eine Lösung schaffen, die langfristig mit dem Unternehmen wachsen kann.
Häufige Fragen
Benötigt jeder Hersteller einen Produktkonfigurator?
Nein. Produkte mit wenigen Varianten profitieren häufig stärker von einem Produktvisualisierer oder anderen Formen der digitalen Produktkommunikation. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von der Komplexität des Produkts und den jeweiligen Anforderungen ab – nicht von aktuellen Technologietrends.
Sollte man einen fotografiebasierten oder einen 3D-Konfigurator wählen?
Keine der beiden Lösungen ist grundsätzlich besser. Fotografiebasierte Konfiguratoren eignen sich besonders für Produkte mit einer überschaubaren Anzahl an Varianten. Interaktive 3D-Konfiguratoren spielen ihre Stärken vor allem bei konfigurierbaren oder modularen Produkten aus, die aus unterschiedlichen Perspektiven erkundet werden sollen.
Kann ein Produktkonfigurator sowohl Händler als auch Endkunden unterstützen?
Ja. Ein gut konzipierter Produktkonfigurator kann verschiedene Nutzergruppen unterstützen – darunter Endkunden, Architekten, Händler, Vertriebspartner und interne Vertriebsteams. Je nach Zielgruppe können Informationen, Funktionen und Benutzeroberflächen individuell angepasst werden.
Benötigen wir von Anfang an eine ERP- oder CRM-Anbindung?
Nicht unbedingt. Viele erfolgreiche Projekte starten zunächst als eigenständige Lösungen zur Verbesserung der Produktkommunikation und werden erst später schrittweise mit ERP-, CRM- oder anderen Unternehmenssystemen verbunden.
Kann Nordic Render uns bei der Auswahl der passenden Lösung unterstützen?
Ja. Jedes Projekt beginnt damit, Ihre Produkte, Zielgruppen und Anforderungen zu verstehen. Erst auf dieser Grundlage empfehlen wir die Lösung, die Ihre Produktkommunikation und Ihre langfristigen Unternehmensziele am besten unterstützt.
Quellen
LaFond, R., & Nguyen, L. (2024, February 13). Optimize websites to support B2B buying journeys. Gartner. https://www.gartner.com/en/documents/5193163
Modrak, V., & Soltysova, Z. (2023). Assessment of product variety complexity. Entropy, 25(1), 119. https://doi.org/10.3390/e25010119
Scott, E. (2024, September 17). 2024 e-commerce product finding: Expanded and updated research findings. Baymard Institute. https://baymard.com/blog/product-finding-2024-launch
Zhang, L. L., & Shafiee, S. (2022). Developing separate or integrated configurators? A longitudinal case study. International Journal of Production Economics, 249, Article 108517. https://doi.org/10.1016/j.ijpe.2022.108517